Man sagt, dass mit zunehmendem Alter die Erinnerungen an die Jugendzeit lebendiger werden. Gerade jetzt, in der Winterszeit, erinnern wir uns an schneereiche Winter, ganze Schneeberge vor dem Haus und am Strassenrand. Die Fahrt mit dem Bahnschlitten ab Kelterplatz noch vor der Schule, war jedes Mal ein kleines Ereignis. Noch gut im Gedächtnis ist auch der Kartoffel-Dämpfer, der den Landwirten in ihrer Arbeit eine große Erleichterung und der Jugend eine willkommene Abwechslung brachte.

Bundesarchiv Bild 183 27842 0001, Lotze, Kartoffeldämpfer mit Abdampf Die Aktion war in der Winterszeit meist vor dem Rathaus oder auf dem Kelterplatz von Anfang 1930 bis etwa 1955.

Bei der Schweinehaltung gehörte die Kartoffel zu den wichtigsten Mast-Futterstoffen. Sie sollte nur in gedämpfter Form verfüttert werden. Der Kartoffel-Dämpfer hatte nun für die Landwirte den großen Vorteil, das das Futter für die Schweine auf Vorrat gelagert werden konnte, es musste also nicht mehr täglich gedämpft werden.

Einfach ausgedrückt, bestand der Kartoffel-Dämpfer aus einem Lastkraftwagen mit einem Feuerkessel. Dort wurde Dampf erzeugt und in einen zylindrischen, verschlossenen Behälter geleitet, der von den Landwirten mit gewaschenen, stärkereichen Kartoffeln gefüllt wurde. Waren nun die Kartoffeln gedämpft, so lagerte sie der Landwirt in einem Silo. Dort wurden die Kartoffeln zerdrückt, festgestampft und abgedeckt.

Noch aus einem anderen, wichtigen Grund war der Kartoffel-Dämpfer für die Jugendlichen so interessant: Jedes Mal, wenn wieder ein Behälter Kartoffeln gedämpft war, wurde der Deckel geöffnet und mit etwas Glück gab es eine heiße Kartoffel. Meist hatten die Jugendlichen dazu in der Hosentasche eine Prise Salz in Zeitungspapier eingewickelt. Ältere Eglosheimer behaupten, nie mehr solch köstliche, heiße Kartoffeln verspeist zu haben wie beim Kartoffel-Dämpfer.

 

Quelle: Eglosheimer Nachrichten vom 26. Januar 2016 - Ausgabe Nr. 01 | 51. Jahrgang - Seite 11 - Autor: Rudolf Koch - Bildquelle Kartoffeldämpfer: WikiMedia Commons